Unser Theater ist nicht wie andere Theater

Wir sind keine Weltverbesserer. Unser gehobener Zeigefinger steckt höchstens in der Fruchtgummi Tüte, um das letzte Stück zu ergattern, während jemand mal wieder schreit, dass wir uns endlich umziehen sollen. Nein. Wir sind eine Familie. Für euch, und für uns. Wir sind zu etwas zusammen gewachsen, das man nur versteht, wenn man dabei war. Wenn man anfängt, Persönlichkeiten zu sehen, hören, spüren, anstatt ihnen im Alltag bloß einen flüchtigen Blick zu schenken. Wenn unerahntes aus den Tiefen eines unscheinbaren Menschen hervorstrahlt, alle begeistert. Wenn man sich nur noch anschauen muss, um laut loszulachen. Wenn man feststellt, wie man gemeinsam ein großes Ganzes baut, ein Kartenhaus, bei dem es auf jeden einzelnen ankommt, nur viel viel stabiler. Wenn man feststellt, dass man nur gemeinsam funktioniert, und ein einzelner nie dergleichen erreichen kann. Wenn man feststellt, dass, sobald einer fehlt, das ganze Gerüst geändert werden muss. So, wie leider unsere Cellistin kurz vor Premiere krank geworden ist, und wir ein Stück unserers Zaubers verloren haben – aber in Gedanken bei jeder Aufführung bei ihr sind. Wenn Kinder auch weit über die Bühne hinaus sorglos toben, wenn die Guten zu den Bösen zu den Guten werden und die Männer sich die Beine rasieren, wenn die Neulinge zum Praktikant-für-alles werden, wenn bis in die Nacht geprobt und am Tag gelernt wird, wenn bis zur Perfektion gebastelt und getüftelt wird, wenn im letzten Moment noch alles stimmt und alle alles geben und ihr dann lacht, dann könnten wir vor Glück weinen. Dann sind wir in der Musik. Im Anfang und im Ende. Und um eine Lebenserfahrung reicher.

Unser Theater ist nicht wie andere Theater
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